16-Jähriger plant neue Buslinie X26 (2024)

Zwischen Schildow und S-Bahnhof Tegel - 16-Jähriger plant neue Buslinie X26

Mo 24.06.24 | 06:18 Uhr | Von Karsten Zummack

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16-Jähriger plant neue Buslinie X26 (1)

    Der Umstieg vom Auto auf den ÖPNV ist vielerorts nicht einfach: Im Speckgürtel oder auf dem Land fehlen oft die geeigneten Verbindungen. Ein 16-jähriger Schüler aus Berlin-Frohnau nimmt die Sache nun selbst in die Hand. Von Karsten Zummack

    Applaus brandet auf, als der extra angemietete gelbe Doppeldeckerbus aus der Wendeschleife Richtung Haltestelle abbiegt. Etwa 200 Menschen sind zur privat organisierten Probefahrt des X26 zur Schildower Dorfkirche gekommen. Viele schießen Erinnerungsfotos. Menschenmassen drängen in den Bus. Organisiert hat die Tour von Schildow (Gemeinde Mühlenbecker Land) über Glienicke/Nordbahn bis zum S-Bahnhof Berlin-Tegel Ben Hennig.

    16-Jähriger aus Frohnau hatte Idee für Buslinie X26

    "Es ist unglaublich, wie viele Leute gekommen sind", staunt der 16-jährige Gymnasiast. Er ist aufgeregt wie vor einer wichtigen Klausur und steht heute im Rampenlicht. Immer wieder muss er gemeinsam vor dem Traditionsbus für Selfies parat stehen, Hände werden geschüttelt. Der Schüler selbst hatte den Bus organisiert und zur Probefahrt geladen.

    Zwei Jahre lang tüftelte der Schüler aus Berlin-Frohnau an dieser Linie. Zu Hause am Computer jonglierte er mit Landkarten, Fahrplänen, Tabellen und Uhrzeiten — ein außergewöhnliches Hobby für einen gerade erst 16-Jährigen.

    • dpa/Schoening

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    Neue Expresslinie zwischen Schildow und Tegel geplant

    "Viele Freunde haben mich darauf aufmerksam gemacht, dass es Probleme gibt, wenn man in die Stadt will“, erklärt Hennig den Impuls für das Engagement. Er wollte nicht nur klagen, sondern selbst auch etwas bewegen für den ÖPNV. Aus einer "anfänglichen Spielerei" wurde Ernst. Der junge Mann nahm Kontakt mit Fachleuten auf, spielte Verbindungen wieder und wieder durch.

    Und so entwickelte er eine Expressbuslinie dies- und jenseits der nördlichen Berliner Stadtgrenze. Die Idee:

    • Der X26, so der Arbeitstitel, startet in Schildow auf der Route des bestehenden 806er-Busses — mit leicht veränderter Linienführung.
    • Anstatt wie bisher am S-Bahnhof Hermsdorf zu enden, würde er weiterrollen über die Station U-Bahnhof Alt-Tegel bis zum S-Bahnhof Tegel.
    • "Es wäre kein großer Mehraufwand, sondern eine Verschiebung der bisherigen Fahrzeuge", wirbt der 16-Jährige für sein Konzept.

    Rappelvoller Bus zur Premiere im Mühlenbecker Land

    Mit den zuständigen Verkehrsbetrieben BVG und OVG in Oberhavel hat er bereits Kontakt aufgenommen, zudem Kommunalpolitikern sein Projekt vorgestellt. Vor allem im Infrastruktur-Ausschuss von Glienicke/Nordbahn konnte er überzeugen.

    Die Gemeinde finanzierte daraufhin die Anmietung eines Traditionsbusses für die Probefahrt. Wochenlang hatte Ben Hennig für die Tour geworben - mit Erfolg. Schon nach dem Einstieg in Schildow ist der Bus rappelvoll, die 180 Sitz- und Stehplätze sind sofort belegt. "Ich weiß gar nicht, was ich machen soll an den Haltestellen, wo die ganzen Leute stehen", sagt Fahrer Frank Woschczytzky. Tatsächlich muss Organisator Ben Hennig die vielen Interessierten immer wieder abweisen, es passt niemand mehr rein.

    Trotzdem erntet er an den Stationen immer wieder Beifall für seine Idee. Am Straßenrand stehen überall Hobby-Fotografen, um Bilder von dem alten Doppeldeckerbus mit der Nummer X26 zu schießen.

    Offenbar kommt die Idee des Schülers gut an — auch bei den Kommunalpolitikern aus den Orten, wo der geplante Bus halten könnte. "Das ist eine Riesen-Leistung für einen 16-jährigen jungen Mann", lobt die Vizebürgermeisterin von Glienicke/Nordbahn, Jana Klättke (parteilos). Und der Gemeindechef von Mühlenbecker Land, Filippo Smaldino (SPD), zollt dem ehrenamtlichen ÖPNV-Planer ebenfalls "Respekt und große Anerkennung". Auch die Fahrgäste der Probetour sind begeistert, obwohl die Luft in dem überfüllten Bus recht dünn ist an diesem Mittag. "Gerade dass die Jugend sich für so was einsetzt, finde ich schon mal gut", sagt Gabi Bauermeister aus Schildow. Von einer "tollen Idee" spricht ihr Banknachbar Jürgen Vogt aus Berlin-Lübars.

    • dpa-Zentralbild/Britta Pedersen

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    Neue mögliche Buslinie X26 - Politik und Verkehrsbetriebe gefragt

    Nun muss die Idee geprüft werden, heißt es von der Oberhavel Verkehrsgesellschaft (OVG). Sie müsste das Projekt gemeinsam mit der BVG in Berlin auf die Straße bringen. Dort verweisen sie allerdings an das Land Berlin sowie den Kreis Oberhavel. Denn am Ende müssen die solche ÖPNV-Angebote finanzieren und in Auftrag geben. Und das Geld ist natürlich knapp und die Begehrlichkeiten sind auch in anderen Regionen immens.

    Der Bürgermeister von Mühlenbecker Land zeigt sich daher durchaus skeptisch, was die schnelle Umsetzung der Buslinie angeht. Aber "das darf man nicht nur einfach so liegen lassen, damit muss man sich beschäftigten", so Smaldino. Mit der Probefahrt hat der 16-jährige Ben Hennig aber zumindest kräftig getrommelt für seinen X26. Für den Herbst hat er bereits ein Treffen mit BVG und OVG verabredet.

    Sendung: rbb24 Abendschau, 22.06.2024, 19:50 Uhr

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    1. 35.

      Antwort auf [Voyager ] vom 24.06.2024 um 19:39

      Bitte, Hände weg von Hiddensee. Auch wenns nur ein Traum ist, aber es gibt Grenzen, die wichtig und nützlich sind. In dem Sinne, danke.

    2. 34.

      Mal ein Tipp an die BVG: Lasst eure Fahrer 3 Meter hinter der Schranke zum Betriebshof Feierabend machen !

      Für die Jobs danach gibt es mehr als genug Leute, da muss der Fahrer nicht noch bis 2 Uhr bleiben, wenn er um 23 Uhr den letzten Fahrgast abgesetzt hat !

      Die Vernetzung DB(S-Bahn+Regio))/BVG/Odeg ist ebenfalls eher als katastrophal zu bezeichnen, Bei Störfällen muss das künftig besser werden.

      Da fallen mitunter Personen durchs Gedränge nach Ausfällen ins Gleisbett, und leere Züge fahren vorbei, anstatt nen Halt einzulegen.

    3. 33.

      Ich denke, man kommt leicht auf 100 verbesserungswürdige Linien, die man ohne zusätzliche Ressourcen optimieren könnte.

      Die Idee (selbst wenn ich selber aus dem Südosten komme) gefällt mir, ich stelle mir vor, jemand der den ÖPNV nutzt und in Hermsdorf wohnt, in Tegel arbeitet, nen Kind morgens zur eigentlich nahegelegenen Kita nach Schildow oder zu den Beeinträchtigten bringt, der hat schonmal 3 std. früher als andere aufzustehen, wenns dann mit Bus zurück und via Schonholz zur Arbeit gehen muss.

      Auch wenn die eigentlichen Probleme andere sind. (Eigenverantwortung der Fahrer/flexiblere Fahrpläne nach Bedarf, Durchsetzung der StVO, ggf. besser Bedienung der Randlinien durch Einzelunternehmer/Ex-BVG (Option mit 55 nach mindestens 20 Jahren Praxis?)).

    4. 32.

      Antwort auf [Mausbinb] vom 24.06.2024 um 19:30

      Und eine U-Bahn bis direkt nach Hiddensee... man wird ja noch träumen dürfen!

    5. 31.

      Und dann ist der Bus so voll mit Nerds bzw. Eventies die sicher nicht dort oben leben. Gibt zwar schöne Bilder, geht aber irgendwie am tatsächlichen Bedarf vorbei. Schade, denn die Idee ist nicht schlecht und der Eifer des 16jährigen ist bewundernswert.

      Nächstes mal Sondertarif und freie Fahrt für Bewohner Glienickes bitte ;-)

    6. 30.

      Antwort auf [Jürgen ] vom 24.06.2024 um 16:51

      Immer. Und passt leider zu uns Deutschen. Zumindest zu denen die sich als besonders deutsch enpfinden.

    7. 29.

      Antwort auf [Verkehrsmonster] vom 24.06.2024 um 14:47

      Der125er fährt nicht durch Waidmannslust (da fährt 220 und 222), der 125 fährt durch Frohnau und Hermsdorf),
      aber wie man ihrer PLZ entnehmen kann, kommen Sie ja eh aus Zehlendorf…….

    8. 28.

      Es gibt sie! Die pfiffigen klugen Köpfe. Der Jugend. Meckert, klagt nicht, klebt nicht sondern tüftelt und packt an. Weiter so Ben, Erfolg wünsch ich dir. Und mehr solche Bens! Ganz optimistisch positiv wunderbar zu lesen. Und nu muss es was werden!

    9. 27.

      Antwort auf [Lästermaul] vom 24.06.2024 um 16:54

      Sowas ging mir auch durch den Kopf. Und ich hoffe, die Verantwortlichen sind nicht nur für den Moment überwältigt sondern lassen auch Taten folgen.

      Und weiter so, junger Mann. Echt beeindruckend.

    10. 26.

      Wie kommt denn ein Jugendlicher auf so eine Idee, selbst eine Lösung zu präsentieren? Anstatt sich auf einer Busspur festzukleben oder eine Wartehäuschen in Orange anzusprühen, und dann Forderungen wider der Verkehrsverwaltung zu erheben. Wenn das Schule macht, nicht auszudenken. Katastrophal!

    11. 25.

      Antwort auf [Voyager ] vom 24.06.2024 um 11:25

      @ Voyager, wie recht Sie haben.
      Im Text steht auch: er wollte nicht meckern, er wollte etwas tun. Daran sollten sich einige hier (z.B. Sergio) ein Beispiel nehmen. Auf der Couch sitzen und meckern ist aber einfacher.

    12. 24.

      Antwort auf [Voyager ] vom 24.06.2024 um 11:25

      Klar ein interessanter Vorschlag. Wenn diese Verbindung allerdings durch Ausdünnung der Linie 125 kompensiert werden muss gibt's in Waidmannslust einen Volksaufstand..... nicht für, sondern gegen den X26! Als Zusatzangebot kaum finanzzierbar, aufgrund fehlender Fahrpersonale nicht leistbar. So lösen sich gute Ideen (diese hat es schon früher gegeben) in Schall & Rauch auf... leider!

    13. 23.

      Antwort auf [Teltow26 ] vom 24.06.2024 um 08:15

      Berufstätige ÖPNV-Planer ?
      Vorhandene Strecjen besser nutzen ?
      Mehr Wettbewerb ?
      Nicht die saubersten Sitze, nicht die breitesten Türen, nicht die bequemsten Umstiege sind entscheidend.
      Bunt, nichtDB muss die Farbe sein !
      Wenn nicht genug Züge aufs Gleis passen, geht Privat-Profit vor Berufs-Schüler-Anlieger-Verkehr.
      Wer mehr Eisenbahn will, muss Schienen legen.
      Ausweichstrecken haben.
      Mehr Stellwerke, nicht Weniger.
      Ausreichend Macher-Vor-Ort-Personal.
      Weniger VolksRedenSchwingende.

    14. 22.
      Antwort auf [Anton] vom 24.06.2024 um 11:36

      Köstlich :-)...

    15. 21.

      Antwort auf [Wossi] vom 24.06.2024 um 11:33

      Meinen Sie das merkt keiner?

    16. 20.

      Antwort auf [Andi] vom 24.06.2024 um 11:03

      Sie wissen aber schon wer diese Verkehrspolitik quasi wieder "rückabgewickelt" hat und dem Auto einseitig den Vorzug gibt?

      Die Folgen erleben wir in gerade in Berlin. Stillstand, im Stau des MIV im wahrsten Sinn des Wortes.

    17. 19.

      Antwort auf [Andi] vom 24.06.2024 um 11:03

      Es geht aber um JETZT! Die Verkehrspolitik kommt nicht aus dem Knick und hinkt der Autolobby hinterher. Das ist bewußte Verweigerung und egoistisch, das wollen auch die Jugendlichen nicht mehr. Das könnte man auch Verarsche nennen.

    18. 18.

      Antwort auf [Sergio] vom 24.06.2024 um 10:41

      Und genau das ist der Unterschied! Während sich solche wie sie in Schwarzmalerei ergehen setzt sich ein 16-jähriger hin und entwickelt etwas.

      Sie können viel von dem jungen Mann lernen. Mehr machhen, weniger meckern.

    19. 17.

      Antwort auf [Wossi] vom 24.06.2024 um 09:57

      Sie wissen aber schon, wer vor zwei Jahren noch für die Verkehrspolitik zuständig war, ja?

    20. 16.

      Die BVG hat die Arbeit eingestellt, jetzt müssen 16 jährige ran und den Netzausbau planen. Diese Stadt hat wirklich zu ende.

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